The Motorist`s Instagram Diaries …

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Auf der Straße: Rolls-Royce Wraith

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Das ist er also, der stärkste Rolls-Royce aller Zeiten. Eine Zäsur in der Markenhistorie, vor allem, weil das Thema Leistung auf dem Datenblatt lange mit dem Understatement „ausreichend“ umschifft wurde. Was natürlich funktionierte, da weder die tonnenschweren Limousinen noch die wuchtigen Coupés wie Sportwagen gefahren wurden. Der Wraith mit seinen 632 PS, die ihn innerhalb von 4,6 Sekunden auf 100 km/h schießen, soll das nun ändern. Er ist der Ausreichendere unter den feinen Geistern im Markenportfolio.

Man betritt seinen Salon durch die beiden an der B-Säule angeschlagenen Selbstmördertüren („Coach-Doors“ im RR-Dictionary), ein Harfen-Pizzicato erinnert an den Sicherheitsgurt, dann senkt sich das große Lenkrad in die Hände des Chauffeurs. Auf dem Beifahrersitz nimmt Alan Sheppard Platz, was für eine Ehre, immerhin ist er Chef fürs Interieurdesign bei Rolls-Royce. Seine Themen auf dem Weg aus der Wiener Innenstadt in Richtung Obersteiermark: die Beplankung des Innenraums mit offenporigen Canadel-Hölzern …

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… das natürlich gekörnte Leder der ultrabequemen Sitze und der „Starlight Headliner“, ein Fahrzeughimmel mit 1.340 beleuchteten Sternen aus Fiberglas.

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Immer wieder jedoch muss ich den Stardesigner unterbrechen. Denn dieser „Roller“ will gefahren werden, am liebsten mit schwerem rechten Fuß: 800 Newtonmeter Drehmoment stehen ab 1.500 Umdrehungen zur Verfügung. Als ich den Wraith in einer feuchten Spitzkehre hinter Mariazell mit der alpinen Geologie vertraut mache – das Heck bricht kurz aus, wird aber von der aus dem 7er-BMW bekannten elektronischen Stabilitätskontrolle wieder eingefangen – flackern Alans gutmütige Augen ein wenig.

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Umgehend äußere ich ein Kompliment für die formale Strenge der Innenlandschaft. Das ist ehrlich gemeint: Rolls-Royce öffnet seine Design-Kontinuität dem Zeitgeist nur langsam. Und bleibt dabei stilsicher. Da, wo andere Premium-Marken vor der geschmacklichen Halbbildung der Superreichen aus den Tigerstaaten zittern und sich Kitsch ins Lastenheft diktieren lassen, bleiben die bayerisch gemanageten Briten voll in der Spur: klare Linien, seriöses Material, perfekte Bedienbarkeit. So geht europäischer Autobau in luxuriöser Vollendung.

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Doch was macht den Wraith nun zum anderen Rolls-Royce? Vor allem sein optimierter, 6,6 Liter großer, V12-Twin-Turbo-Motor unter der lang gestreckten Haube. So viel Deluxe-meets-Aggro gab es in einem Auto noch nie: Im Klangbild seidig bis röhrend, in der Ansprache erst bissig und dann mit brachialem Schub. Statt eines Drehzahlmessers besitzt auch der Wraith, wie jeder Rolls, links neben dem Tacho ein „Powermeter“. Es zeigt, wie viel Leistung noch übrig ist. Seine Nadel schlägt nie an.

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Um automatisch den optimalen Gang für die voraus liegende Straßenpassage zu wählen – ein automatisches Hochschalten bein Gaswegnehmen in einer Steigung wird so unterbunden – greift das satellitengestützte 8-Gang-Getriebe auf GPS-Daten zu. Das funktioniert fast immer prächtig, nur manchmal, wenn der Fahrstil zu sportlich, die Kurven zu eng und die Topographie zu wild ist, wählt der Luxus-Automat den falschen Gang – auch ein Gespenst kann irren. Ansonsten läuft alles so was von glatt: Das superbe Fahrwerk mit elektronisch gesteuerter Luftfederung atomisiert jeden Stoß in kleinste, unspürbare Dosen.

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FAZIT: Beim Kauf eines Rolls-Royce geht es um alles Mögliche, außer ums Geld. Deshalb wurde der Wraith mit dem überbordenden Luxus, der enormen Kraft und seiner an die stromlinienförmigen Fastbacks der 30er-Jahre erinnernden Form zum vielleicht außergewöhnlichsten Gran Turismo, den wir über unsere Straßen steuern dürfen.

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TEXT: Jan Wilms

FOTOS: Rolls-Royce

 

LEISTUNG UND PREIS

250 km/h

0 auf 100 km/h in 4,6

14,0 l/100 km

CO2 327 g/km

632 PS

279.531 EUR

12 Zylinder



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