The Motorist`s Instagram Diaries …

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Detroit Motor Show // Part 1

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Put your hands up for Detroit;) Zwischen Jetlag und offiziellem Start der Detroit Motor Show hat Mercedes-Benz der Welt sein neuestes Modell präsentiert: den CLA. Zielgruppe sollen die Digital Natives werden, oder die Generation Y, wie Daimler-Vorstand Dieter Zetsche gestern Abend in Detroit sagte.

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Also: Was der Strich-Achter für Deinen Opa war, soll das viertürige Coupe auf A-Klasse-Basis nun für Deine Altersklasse sein. Außerordentlich chic designt sind die Linien auf jeden Fall, auch der Innenraum wirkt kraftvoll und cool. Dazu hat der CLA die beste Aerodynamik in seinem Segment und eine satte „Connectivity“, sprich: digitale Vernetzung. Bei Preisen ab 28.977 Euro für den CLA 180 (1,6-Liter-Benziner, 122 PS, 210 km/h Spitze) wird nun nicht jeder aus der trendigen Zielgruppe den CLA aus eigener Tasche bezahlen können. Aber vielleicht gibt Opa ja seinen Strich-Achter in Zahlung …

Weitere exklusive Fotos und News von der Detroit Motor Show folgen …

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Rallye-WM 2013: Wilde wilde Wölfe

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VW-Motorsport kehrt 2013 mit dem Polo R WRC in die Rallye-WM zurück

MONTE CARLO. Nur kurz war zu befürchten, dass der Rallye-WM die Luft ausgeht. Zwar gab Serienweltmeister Sébastien Loeb seinen Rückzug auf Raten bekannt. Gleichzeitig aber läutete Volkswagen Motorsport sein Comeback ein: Ab 2013 nimmt VW zum ersten Mal seit 26 Jahren wieder mit einem eigenen Modell an der Rallye-WM teil.

Gestern wurden in Monte Carlo Fahrer, Team und der Polo R WRC als Rallye- und Kleinserienversion präsentiert. Die Ambition der Wolfsburger wird schnell klar: Kurzfristig, spätestens 2014, soll der Titel her. Im aufwendig entwickelten und getesteten Polo R WRC werden deshalb mit Sébastien Ogier und Jari-Matti Latvala (Ex-Ford und Dritter der Saison 2012) zwei Spitzenfahrer sitzen.

Rally, Car Launch, MonacoRally, Car Launch, Monaco

Technisch steht die WM, wie die Entwicklung moderner Pkw-Aggregate, unter dem Stern des Downsizing: Das Reglement schreibt Motoren mit 1,6-Liter-Hubraum und Direkteinspritzung, Turbolader und Luftmengenbegrenzer vor. Der VW Polo R WRC generiert daraus 315 PS und ein maximales Drehmoment von rund 425 Newtonmetern. In 3,9 Sekunden geht´s von Null auf Hundert, bei 200 Sachen ist übersetzungsbedingt Schluss. Weitere Features bei einem Gewicht von 1.200 Kilogramm: sequenzielles Sechsgang-Renngetriebe, Sicherheitskäfig, permanenter Allradantrieb und Aerodynamikpaket.

Rally, Car Launch, MonacoRally, Car Launch, Monaco

Was verspricht sich die Chefetage in Wolfsburg nach drei Siegen bei der fernen Rallye Dakar von der volksnäheren WRC? „Unser Engagement soll den Polo – unser wichtigstes Auto – emotionalisieren“, sagte Ulrich Hackenberg, VW-Vorstand für Entwicklung, gestern in Monte Carlo im Gespräch mit The Motorist Blog. „Gleichzeitig können wir so zeigen, dass sich Effizienz und Leistung nicht ausschließen.“ Für Hackenberg ist der Motorsport ohnehin eine Passion: „Ich fahre ja gerne selbst gerne Rennwagen und finde, dass die WRC als Königsklasse im Rallyesport einfach das Salz in der Suppe ist. Deshalb haben wir die besten Fahrer verpflichtet und ihnen mit dem VW Polo R WRC ein sehr gutes Auto gebaut.“ Ein Understatement, das alle Teammitglieder pflegen – offiziell spricht in Monte Carlo kein VWler von Titel-Ambitionen im ersten „Lehrjahr“.

Rally, Car Launch, MonacoRally, Car Launch, Monaco

Sportlich scheint durch das VW-Engagement nach den Demissionen von Loeb und Ford in der World Rally Championship wieder deutlich mehr Spannung als in den Vorjahren garantiert. Oder Ogier, Latvala und ihre Polos dominieren den Wettbewerb schon vom ersten Lauf, der genauso legendären wie anspruchsvollen Rallye Monte Carlo (16.-20. Januar 2013). Ein Sieg dort – mit einem komplett neuen Auto – wäre allerdings auch ziemlich sensationell.

Für die adäquate Einstimmung der Fans auf die Rallye-WM hat VW ein eigenes Webportal entwickelt: Auf rallytheworld.com soll ab Januar der Dreck der Schotterprüfungen auch durch den digitalen Raum spritzen.

Termin:

WRC Rallye Monte Carlo, 16.-20. Januar 2013

Technische Daten

VW Polo R WRC (World Rallye Car)

Leistung: 232 kW (315 PS)

Hubraum: 1.600 ccm

Zylinder: 4

Luftmengenbegrenzer: 33 mm (FIA-Reglement)

Max. Drehmoment: 425 Nm bei 5.000 1/min

Höchstgeschwindigkeit: ca. 200 km/h (abhängig von Getriebe-Übersetzung)

Von null auf hundert: ca 3.9 Sekunden

Mindestgewicht: 1.200 kg


Testfahrt: Mercedes-Benz CLS Shooting Brake

Für das Intersection Magazin sind wir kürzlich in Florenz ein ziemlich außergewöhnliches Auto gefahren, den Mercedes-Benz CLS Shooting Brake. Elemente aus Coupé, Limousine und Kombi haben ein Produkt für die Nische in einer Nische entstehen lassen: eine sportliche Oberklasse mit angenehm wenig Prunk.

Als Mercedes-Benz 2003 mit seinem CLS das erste viertürige Coupé der automobilen Neuzeit vorstellte, fragte man sich, warum dieses Segment, nicht schon viel früher besetzt worden war. Es bietet einen exzentrischen Spielplatz für elegante Designs und sportliche Fahrleistungen, bei gleichzeitiger Opulenz und großem Komfort. Mercedes-Benz ist immer noch Marktführer in dem wachsenden Segment. Auf den Fersen sind aber längst der Nachbar aus Zuffenhausen mit seinem Panamera, Audi mit dem A7 und BMW mit dem neuen 6er Gran Coupé.

Um nun wieder einen Schritt voraus zu sein, will MB mit einer seiner Königsdisziplinen punkten: dem Kombiheck. Die Integration in die Coupéform eine viertürige Limousine wirft die Frage auf: Muss man das machen? „Wir sind sicher, dass dies ein weiteres Erfolgsmodell wird“, sagt Hubert Schneider, Leiter des Gesamtfahrzeugversuchs CLS. Aus dem Scheitern der klotzigen, ebenfalls wild crossovernden R-Klasse hat man jedenfalls gelernt: Die Quadratur des Stern-Kreises funktioniert nun über einen Designtrick. Weil die Fensterlinie hinter der C-Säule steiler abfällt als die Dachkante, zeichnet sich im Transporter-Heck eine Coupé-Kontur ab. Eine gute Übersicht nach hinten raus gibt´s dann allerdings nur noch medial – per Rückfahrkamera.

Lieber nach vorn als nach hinten blickt man auch wegen der Triebwerke des CLS: Eine kultiviert-kraftvolle Vernunftlösung bietet der CLS 350 mit seinem 3,5-Liter-Sechszylinder (306 PS, 250 km/h Spitze, ab 66.818 Euro). Er zieht gut durch, klingt von 3500 Umdrehungen aufwärts angenehm kernig und verbraucht dabei bei realistischer Fahrweise rund 11,6 Liter auf 100 Kilometer. Das sind zwar 4,3 Liter mehr als die kombinierte Werksangabe – doch wer hier Erbsen zählt, ist mit einer E-Klasse sicher besser bedient. Am oberen Ende der Kraftkette liefert der CLS 63 AMG mit seinem 5,5-Liter-V8-Biturbo eine virtuose und grandios unvernünftige Leistungs-Demonstration ab (525 PS, ab 117.512 Euro): Sein unbändiger Vortrieb wird zwar schon bei 250 km/h Spitze abgeriegelt – doch bis dahin ist nahezu alles fahrerisch vorstellbare möglich. Ein echtes Kraftwerk! Dazu gibt es drei Motor-Alternativen: Den CLS 500 und die Diesel 250 CDI und 350 CDI.

Zurück zum Heck: Das bietet fast genauso viel wie Stauraum wie die E-Klasse, die auch die Plattform des CLS stellt. Allerdings mit viel mehr Oberklasse-Gefühl, etwa durch den optionalen Ladeboden aus Kirschbaumholz in von Segelyachten bekannter Teakdeck-Optik. Der Luxus im CLS kommt jedoch angenehm unprotzig daher, fast schon hanseatisch. „Deutschelande!!!“, ruft uns ein älterer Herr auf der Ponte alla Carraia zu. Und er meint doch: „Bella Macchina!“. Obwohl er die laszive Eleganz der Limousine nicht erreichen kann, wurde der CLS Shooting Brake schließlich doch ein eigenwillig schönes Auto.

PS: Woher die exzentrische Benennung „Shooting Brake“ kommt, steht in der nächsten Intersection-Ausgabe.

Fotos: Hersteller/The Motorist/Christian Hagemann


LIVE vom Pikes Peak International Hill Climb

Heute findet in Colorado Springs, USA, der 90. Pikes Peak International Hill Climb statt. Das „Race to the clouds“ mit seinen 156 Kurven ist das berühmteste und anspruchsvollste Bergrennen der Welt. The Motorist Blog ist live vor Ort.

In Deutschland umgibt den Pikes Peak International Hill Climb vor allem durch den fulminanten Rekordlauf von Walter Röhrl auf Audi S1 aus dem Jahr 1987 ein starker Mythos. Hier zum Einstimmen noch einmal ein Ausschnitt aus den legendär gewordenen zehn Minuten, in denen Röhrl den 4300 Meter hohen Pikes Peak bezwang.

25 Jahre später hat sich am Berg ziemlich viel verändert: Zum ersten Mal startet eine rein elektrische Klasse, die uns eine Vorschau darauf ermöglicht, welche Autokonzepte im kommenden Jahr in einer „Formel E“ fahren könnten. Die zweite Neuerung: Die Schotterstrecken, die bislang die Fahrer zum hemmungslosen Driften animierten, sind komplett asphaltiert worden. Natürlich dämpft dies die Aura des Rennens ziemlich – ein wenig so, als ob in Wimbledon nicht mehr auf Rasen gespielt würde. Allerdings lässt der neue Belag höhere Geschwindigkeiten zu. Und öffnet so die Tür zu neuen Rekordzeiten.

Wir sind seit Mittwoch vor Ort in Colorado Springs, haben in den Boxen die Fahrer und Ingenieure interviewt und uns die Trainingsläufe angeschaut. Besonders beeindruckt haben uns der TMG EV P002 von Toyota Motorsport (Pilot: Fumio Nutahara, Japan) mit 350 kW (476 PS), 900 Nm Drehmoment und einer Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h:

Und der „Monster Sport E-RUNNER“, eine optisch gelungene Batmobil-Kopie mit noch geheimen technischen Daten. Ihn fährt Pikes Peak-Rekordhalter Nobuhiro „Monster“ Tajima, der „japanische Walter Röhrl“. Besonders interessant: 2011 riss Tajima hier auf einem Suzuki SX4 als erster Fahrer die 10-Minuten-Marke. Dass er nun elektrisch fährt, werten wir mal als ein wichtiges Signal für die Zukunft des Motorsports:

Außerdem heute im Feld der Elektrischen: der 240 kW (326 PS) starke Mitsubishi i-MiEV Evolution, eine Modifikation des handelsüblichen Mitsubishi i-MiEV, der allerdings aufgrund eines Unfalls die Trainings verpasste.

Die ersten Autos starten heute ab 17 Uhr– das Rennen läuft bis 3 Uhr am Montagmorgen deutscher Zeit. Wer ganz nah dabei sein will, dem empfehlen wir den offiziellen Pikes Peak-Livestream.

Die Ergebnisse und Fotos vom Rennen gibt es in der kommenden Woche hier auf The Motorist Blog.

Text: Jan Wilms

Fotos: Jack Kulcke


Testfahrt: Protoscar Lampo3

Drei Motoren. 550 PS. 900 Newtonmeter Drehmoment: Der Protoscar Lampo3 ist das stärkte Elektroauto der Welt. In der vergangenen Woche deuteten die Kollegen von Techvehi an, dass der elektrische Supersportwagen in einer Kleinserie kommen könnte. Sollte dem so sein, dann heißt es für Mercedes SLS E-Cell, Audi R8 e-tron und BMW i8: Bitte anschnallen. Woher wir das wissen? Wir sind den Prototyp schon gefahren.

Allerdings rollte unser Testmodell im kargen Renntrimm vor – was den Fahrspaß in keinster Weise trübte. Eine Serienversion wird sicherlich komfortabler sein, doch das Auto verfügt über so viel Leistung, dass ein paar Kilo mehr nicht wehtun. Der Protoscar Lampo3 (italienisch für „Blitz“) stellt den Endpunkt einer 2007 begonnenen E-Supersportwagen-Trilogie dar. Das gestreckte 2+2-Coupé mit 32 kWh-Lithium-Ionen-Batterie besitzt stärkere Leistungswerte als Mercedes SLS E-Cell, Audi R8 e-Tron, BMW i8 und Citroën Survolt. Allein der Tesla Roadster fährt dynamischer, aber als Leichtgewicht in einer anderen Klasse.

Rauschhafte Beschleunigung

Wir manövrieren den Lampo3 auf die Autostrada Richtung Süden. Ein erster, vorsichtiger Stupser auf das Strompedal zeigt das Potenzial der E-Motoren in ganzer Pracht: die 420 kW/550 PS sind sofort da. Sie schießen die 1,7 Tonnen ansatzlos nach vorne. Wenn ein Drehmoment von 900 Newtonmetern über den gesamten Drehzahlbereich anliegt, dringt die Kraftentfaltung in ein neues Universum vor. Der zweite Versuch mit entschlossenerem Tritt. Es macht Zooom! Wo ein Verbrennungsmotor eine Kurve zeichnet, jagen die E-Motoren des Lampo eine Gerade durchs Leistungsdiagramm. Linear. Bis zur abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 210 Sachen. Klar, manche Supersportwagen spurten schneller und alle länger. Doch die nahtlose Übersetzung des Ein-Gang-Getriebes narrt die Sinne. Die 4,5 Sekunden von null auf Hundert ohne Lastunterbrechung sind nicht mehr die Zahl auf dem Papier, sondern ein Rausch aus Druck und Atemlosigkeit und Magendrehen.

Sportliches Interieur und Torque Vectoring

Im Cockpit regeln glänzende Kippschalter und Potenziometer die Fahreinstellungen: Stufenlos justiert man Rekuperationsgrad (Energierückgewinnung beim Bremsen und Rollen) und die Verteilung des Antriebs zwischen Vorderachse und Hinterrädern. Das ist archaisch und intuitiv. Innovativ ist das Torque Vectoring: Da an jedem Hinterrad ein E-Motor sitzt, können die Radgeschwindigkeiten exakt eingestellt werden. Das hilft in schnell gefahrenen Kurven. Den einzigen Luxus bietet das Alcantara auf dem schwergängigen Sportlenkrad. Der Lampo ist kein Auto für jeden Tag. Andererseits: Hat das Suchtpotenzial der mühelosen Beschleunigungs-Kicks gegriffen, möchte man nicht mehr ohne. Und jedes Mittelmotor-Röhren wirkt dann wie die Stones gegenüber Daft Punk. Immer noch geil, aber von gestern.

Protoscar-Chef Piffaretti: Elektromotoren bieten die aufregendste Fahrdynamik

Lampo-Erfinder Marco Piffaretti ist so etwas wie ein automobiler Daniel Düsentrieb. Schon vor 24 Jahren schraubte der Tessiner solarbetriebene Seifenkisten zusammen. 2011 wurde der 45-Jährige zum „Schweizer Automann des Jahres“ gewählt. Mit Protoscar arbeitet Piffaretti für Daimler und GM, sein Know-how steckt auch in der Reichweitenanzeige des Nissan Leaf.

Piffaretti geht es um maximale Leistung. Ohne Kompromisse, dafür mit Rekordwerten. Ihn treibt weniger ein grünes Weltbild an, als eine Faszination für die effizienten Elektromotoren: „Sie stellen einfach die aufregendste Fahrdynamik bereit“, sagt er und blinzelt in die Sonne über Lugano. Dass noch kein Autobauer zuvor mit einem straßenzugelassenen E-Modell in diese Leistungsdimensionen vorgestoßen ist, macht ihn ein bisschen stolz. Der Lampo3-Speed drängt die Frage nach der Reichweite fast beiseite. Sie liegt bei 200 Kilometern. Im Kleinserienmodell soll allerdings eine größere Batterie diesen Wert vergrößern.

Text: Jan Wilms

Fotos: Jack Kulcke

 

Protoscar Lampo3

 

Drei Elektromotoren (1 vorne, 2 hinten)

Allradantrieb mit Active Torque Vectoring

Ein-Gang-Getriebe

Aktiv wassergekühlte Lithium-Ionen-Batterien, 32 kWh

CHAdeMO Schnellladestandard

Leistung 420 kW/550 PS

Höchstgeschwindigkeit: ca. 220 km/h

Beschleunigung: ca 4,5 Sek. von 0-100 km/h

Emissionen (g CO2): 0

Max. Drehmoment (Motor): 900 Nm (von 0-4500 U/min)

Max. Drehmoment (Rad): 5760 Nm

Reichweite: 180-200 Km

Energiekosten ca 2,05 Euro/100 km

Gewicht: 1700 kg

Länge; 4687 mm

Breite: 1998 mm

Höhe: 1307 mm

Preis: derzeit nicht käuflicher Prototyp


Testfahrt: Lexus GS 450h

Der neue Lexus GS 450h ist der stärkste Vollhybrid auf dem Markt. Mit Allradlenkung, Gesichtserkennung und Nachtsichtassistent winkt ihm dazu der Inspektor-Gagdet-Gedächtnispreis. Doch lohnt sich die große Batterie, wenn das Auto danach 1,9 Tonnen wiegt?

Seit 20 Jahren fahren Lexus GS schon auf unseren Straßen – wer hätte das gedacht. Besonders auffällig gab sich der Japaner nie, auch wenn er technisch und preislich immer stärker zur ernsten Alternative in der Premium-Mittelklasse wurde. Seit Wochenanfang steht der neue GS in zwei Motorvarianten beim Händler: als 250, mit 2,5-Liter-V6-Benziner mit 209 PS. Und als 450h, mit 3,5-Liter-V6-Benziner und Elektromotor. Mit 345 PS besitzt unser Testkandidat die höchste Systemleistung seiner Klasse.

Uns interessierten bei der Fahrt durch die Tiroler Alpen zunächst seine Fahr- und Spareigenschaften. Im Sport-Modus zieht der hybride GS entschlossen los, ab 3800 U/min klingt der Motor angenehm kernig. Allerdings mit erheblicher Verzögerung bei der Gasannahme. Über eine Sekunde wartet die Elektronik, dann aber kommt der Sedan mustergültig: in 5,9 Sekunden von null auf hundert, bei 250 wird elektronisch abgeriegelt.

Von der Pflicht nun zur Kür. Und zur Frage: Wie lange kann ich rein elektrisch? Das hängt von der Batterieladung ab. Bei vollem Nickel-Hydrid-Akku sind per Knopfdruck bis zu vier Kilometer unter Strom möglich, allerdings nur in Schleichfahrt bis 40 km/h. Zumindest für das von den Grünen angedrohte Tempolimit in der Stadt der passende Modus. Und wohl nur dann erreicht er den Sollverbrauch von 5,9 Litern auf 100 Kilometern. Unser moderater Fahrstil mit gelegentlichen Überholmanövern forderte mehr – zwischen sieben und acht Litern.

Setzen wir uns hinein. Innen versprüht der GS den Charme eines Luxushotelkettenzimmers: Hochwertiges Material, manierlich verarbeitet, doch beliebig in der Anmutung. Einzig die vertikalen Alu-Lüftungsschlitze in der Mittelkonsole zeigen Kante, sprich: Charakter. Über ihnen ist das mit 12,3 Zoll größte in einem Serienfahrzeug erhältliche LCD-Display verbaut (Sonderausstattung). In Dimension und Grafik erinnert es an ein großtastiges Seniorenhandy – was nicht gegen den Bedienkomfort spricht. Dafür hapert es bei der Performance: Die Navigation zeigte sich nicht immer präzise und der Radioempfang war beim Testwagen rauschig – da muss noch nachgebessert werden.

Neben Klimaautomatik sind Brems-, Berganfahr- und Rückfahrassistent Serie. Für teure 4.500 Euro zusätzlich gibt es außerhalb Japans eine Weltneuheit: das „Advanced Pre-Crash Safety-System“ mit Spurhalteassistent und Gesichtsfeldmonitor. Dieser erkennt, ob die Fahreraugen offen sind. Wenn nicht, bremst das System automatisch bis zum Stillstand ab.

So weit runter soll es mit der Marke Lexus nicht gehen, so Marketingleiter Michael Potthast. Mit der neuen GS-Generation soll die Kundschaft, Durchschnittsalter 57 Jahre, verjüngt werden. Offenbar orientierte man sich deshalb beim Design von Flanke und Heck am aktuellen 7er-BMW. Dabei hätte der Japaner diese Mimikry gar nicht nötig: Sein Antrieb ist innovativer als die Hybridsysteme der Mitbewerber. Mit 2,5 PS pro Gramm CO2 verfügt der Lexus über die beste Systemleistung seiner Klasse.

Im Kofferraum merkt man den Hybridantrieb trotzdem nicht mehr. Er ist mit 482 Litern endlich klassenüblich dimensioniert, weil die klobige Batterie vertikal hinter die Rücksitze auf die Achse rutschte.

Zurück zur Ausgangsfrage: Lohnt sich die Hybrid-Technologie bei einem Gewicht von 1,9 Tonnen überhaupt? Der Lexus GS 450h wird zu 80 Prozent von Geschäftskunden gekauft. Fahren diese vorwiegend auf der Autobahn, ist die schwere Batterie eine ziemliche Hypothek. Für den anspruchsvollen Vielfahrer im Stadt- und Überlandverkehr ist dieser Luxus-Hybrid jedoch die derzeit sauberste und stärkste Lösung.

Lexus GS 450h

Systemleistung: 345 PS (254 kW)

Hubraum: 3.456 ccm & Elektromotor

Batterie: Nickel-Metall-Hydrid

Zylinder: 6

Max. Drehmoment: 345 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Von null auf hundert: 6,9 Sekunden

Verbrauch (Herstellerangabe): 6,9 l/100 km (EU) CO2: 137 g/km

Preis 54.750 €. Mit Top-Ausstattung „Luxury Line“: 70.500 €

Text: Jan Wilms

Fotos: Harald Dawo für Toyota / The Motorist


Testfahrt: Audi A3

Der neue Audi A3 ist das beste Auto der Kompaktklasse, nach wie vor. Erneuert wurde er außen vorsichtig und innen mit fast allem, was die Entwicklungsabteilung hergab: Multimedia, Internet, feine Oberflächen. Das hat seinen Preis. Die Zielgruppe ist deshalb nicht mehr die Generation Golf, sondern deren Eltern.

Ein moderner Klassiker mit überragenden Sympathiewerten: Selbst der erste Audi A3, vorgestellt 1996, macht noch heute eine passable Figur. Und so kommt auch der neue, nunmehr dritte A3 in einer Grundform, die wenig Veränderungen zum Vorgänger aufweist. Dass er dennoch als ein hochmodernes Auto beeindruckt, liegt an den vielen technischen, gestalterischen und lifestyligen Details. Die Botschaft: Kompakt ist die Ambition der Ingolstädter längst nicht mehr.

Setzen wir uns in Bewegung: Die Motorenpalette bietet zum Verkaufsstart zwei Benziner und einen Turbodiesel. Wir fuhren den 1.8 TFSI quattro (180 PS/132 kW) und den 2.0 TDI quattro (150 PS/110 kW), dessen hohes Drehmoment die fehlende PS kompensiert.

Beide Motoren machen richtig Spaß. Beim Diesel vor allem, wenn man über die Wippen am Steuer hochschaltet. Doch auch die Automatik „S Tronic“ im Benziner ist hervorragend abgestimmt. Die u.a. aus dem Q3 bekannten Fahrmodi des Drive-Select-Systems beeinflussen die Gasannahme, Lenkung und Fahrwerk – von ökonomisch bis sportlich. In letzterem Modus freut man sich über das vollendet unauffällige Sportfahrwerk: Mit seiner feinen Abstimmung ermöglicht es sanftes Cruisen über lange Bodenwellen und scharfe Kurvenfahrten gleichermaßen.

Applaus verdienen die Audi-Ingenieure auch für ihr Engagement gegen den Trend. Während Autos immer schwerer werden, bringt der neue A3 ist 80 Kilo weniger auf die Waage als der Vorgänger, bei nahezu identischen Abmessungen. Wie so was geht? Aufgepasst, liebe Konkurrenz, zum Ausschneiden:

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– 10 kg durch Alukomponenten wie Motorhaube und Kotflügel

– 25 kg durch neue Highendstähle in der Fahrgastzelle

– 6 kg durch leichtere Vorderachse

– 5,5 kg durch leichtere Sitze und Kabel

– und der Rest durch leichtere Motorgehäuse

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Im Einklang mit einer innovativen Motorentechnologie soll so ein bis zu 17 Prozent niedrigerer Verbrauch erreicht werden: Für den 1.6 TDI gibt Audi 99 Gramm CO2 auf 100 Kilometern an. Ob dies wirklich wirtschaftlicher ist, bleibt abzuwarten. Nur Vielfahrer werden gegen den hohen Anschaffungspreis ankämpfen können. Die Benziner starten bei 22.500 Euro (1.4 TFSI), die Diesel bei 26.300 Euro (2.0 TDI). Reich ausgestattet und topmotorisiert verdoppelt sich der Grundpreis auf über 45.000 Euro. Dafür gibt´s schon den A6 mit 2.8-Liter-Motor als Quattro.

Das edelste Modell der Kompaktklasse bestreitet derzeit 20 Prozent des Audi-Volumens. Eine typische Zielgruppe – wer könnte sich dieses Auto sonst leisten – sind die sogenannten Golden Ager: Gutverdiener über 50, die Kinder längst aus dem Haus, früher mindestens in der oberen Mittelklasse mobil. „Hier wollen wir mit Oberflächen und Funktionen, die diese Kunden aus dem Premiumbereich kennen, punkten“, gibt Michael Jaroch aus der Audi-Entwicklung zu.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich das Premium-Konzept des neuen A3 wie ein offenes Buch: die feinen Lüftungsringe im „Jet-Design“. Die Voll-LED-Scheinwerfer als Premiere im Kompaktsegment. Die MMI-Bedieneinheit mit Touchpad, auf dem man die Eingabe einfach mit dem Finger aufmalt. Und das Soundsystem von Bang & Olufsen. Selbst das Klickklack der Tasten wirkt so unaufdringlich engineered, dass es einem vor Perfektion schauert. Dazu die obligatorischen elektronischen Sicherheits-Helferlein: Spur- und Spurwechselassistent (lande bzw. side assist), Einparkhilfe, Berganfahrassistent, Distanzregelung (adaptive cruise control) undsoweiter.

Wer online gehen will benötigt allerdings das MMI-Paket für 2.725 Euro. Eine minimalere Internet-Option wäre allerdings eine zeitgemäße Geste gewesen. Genauso visionär, wie Audi das Gewicht der Karosserie reduziert hat, genauso gestrig erscheint dieses Luxus-Surfing:

Während Datenverbindungen in der Außenwelt billiger werden, langen die Hersteller (nicht nur Audi) richtig zu. Damit ignoriert man mit den Digital Natives die Zielgruppe der Zukunft.

Ab Sommer ist der A3 auch der 4-Türer erhältlich, Ende 2013 soll er als Gas-Variante kommen, 2014 als Plug-In-Hybrid.

Audi A3 1.8 TFSI

Leistung: 180 PS (132 kW)

Hubraum: 1.798 ccm

Zylinder: 4

Max. Drehmoment: 280 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h

Von null auf hundert: 7 Sekunden

Verbrauch: 6,5 l/100 km (EU) CO2: 152 g/km

Preis (Ausstattung „Ambiente“): 29.700 Euro

 

Audi A3 2.0 TDI

Leistung: 150 PS (110 kW)

Hubraum: 1.968 ccm

Zylinder: 4

Max. Drehmoment: 320 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 213 km/h

Von null auf hundert: 8,8 Sekunden

Verbrauch: 4,6 l/100 km (EU) CO2: 120 g/km

Preis (Ausstattung „Ambiente“): 28.200 Euro

Text: Jan Wilms

Fotos: Alexander Herold für Audi / The Motorist