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Testfahrt: Range Rover Evoque

Schon der erste Blick, der die Silhouette des Evoque streift, macht klar: Das neue und bislang kleinste Mitglied der ehrwürdigen Range Rover-Familie ist nicht nur Fahrzeug, sondern auch Designobjekt.

Die mutigen Linien sind jedoch kein Selbstzweck: Denn mit zwei Dieselmotoren (150 und 190 PS) und einem Benzinmotor (240 PS) fährt sich der Evoque in jeder Version ausgezeichnet motorisiert, auch Verarbeitung und Nutzwert sind Premium.

Wurden Land bzw. Range Rover bisher konstruiert, um in den nordenglischen Hügeln zu kraxeln, so richtet sich der Evoque konsequent nach dem Zeitgeist: Form geht vor Funktion, zumindest wird dies für einen Großteil des anvisierten Publikums gelten. Die größte Hürde für einen Kompakt-SUV wie dieses dürfte in der Praxis das Kopfsteinpflaster in den Gründerzeitvierteln werden. Deshalb gibt es den Evoque in der Basisversion auch ohne Allradantrieb.

Richtig sexy wird der Baby-Range aber erst, wenn alle vier Räder angetrieben werden, was ihn extrem geländegängig macht: Steile Hänge klettert er emsig hinauf, und für waghalsige Abfahrten im offenen Gelände hilft die Bergabfahrhilfe HDC. Mit den bei Land Rover zum Standard gehörenden Programmen der „Terrain Response“ soll der Evoque dazu Touren durch Matsch, Schnee, Sand und Eis meistern. Unsere Testfahrt führte vom Militärflughafen im walisischen Anglesey (für Bunte-Leser: da, wo Prince William stationiert ist) durch den Snowdonia Nationalpark (da, wo der höchste Berg Englands steht) bis in ein unterirdisches, wassergeflutetes Tunnelsystem von Liverpool (da, wo wir gehofft hatten, einem Yellow Submarine zu begegnen). Mehr Stock, Stein und Wasser geht in Großbritannien also kaum. Und der Evoque rollt und rollt, selbst wenn ihm die Pfütze bis zur Motorhaube steht. Das Geländefazit: Fahrprogramme, Böschungs- und Rampenwinkel sowie Wattiefe sind in dieser Klasse einmalig.

Der Evoque ist mit zwei Dieselmotoren (150/190 PS) und einem Benzinmotor (240 PS, nur mit Automatikgetriebe) erhältlich. Das Basismodell, der eD4 als 150-PS-Diesel mit „Pure“-Aussttatung und Vorderradantrieb, kostet als 5-Türer 33.100 Euro. Serienmäßig sind Klimaautomatik, Teilledersitze, Multifunktions-Lederlenkrad, Farbbildschirm. Für das Topmodell, ein 2,0-l-Benziner-Coupé mit 240 PS in der „Prestige“-Ausstattung, werden 49.900 Euro fällig. Selbst mit dem kleinsten Motor (2,2-Liter-Diesel mit 150 PS) ist der Range ausreichend motorisiert, nur die mäßigen Höchstgeschwindigkeiten (180-217 km/h) trüben das Bild ein wenig.

Und nun der fragwürdige Clou (oder sollte man es britische Exzentrik nennen?) des Evoque: Das dreitürige Coupé kostet rund tausend Euro mehr als der Fünftürer. Dafür erhält man einen einzigartig gestalteten Geländewagen, dessen Keilform bis zur Grenze des guten Komforts durchgezogen ist. Die Nachteile: Das Einsteigen auf die hintere Sitzbank gerät zur Turnübung und die Heckscheibe schrumpft durch die abfallende Dachlinie zu einem kleinen Schlitz. Die Erkenntnis: Schönheit ohne Leiden gibt es auch in der Autowelt nicht. Immerhin, wer Luxus mit Substanz sucht, wird vom Evoque nicht enttäuscht.

Fotos: Range Rover/The Motorist

Technische Daten:

Range Rover Evoque SD4 Diesel „Dynamic“, Schaltgetriebe

Leistung: 140 kW / 190 PS

Hubraum: 2.179 ccm

Max. Drehmoment: 420 Nm bei 1750 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Verbrauch: 5,2 l/100 km (EU) CO2: 149 g/km

Preis: 45.900 Euro (Baureihe startet bei 33.100 Euro)


Testfahrt: Audi Q3

Eine hohe Sitzposition im Auto ist zum Statussymbol geworden. Schön, dass wir dafür auch bei Audi nicht mehr in übergewichtige Stadt-Trecker steigen müssen. Der Q3 kombiniert Chic und High-Tech in einem überzeugenden Auftritt.

Der Quattro-Antrieb führt das schöne Auto auf der Idealspur durch die kurvigen Straßen oberhalb des Zürichsees. Die gemütlichgrünen Hügel erinnern ans Teletubbyland. Doch ob über Stock, Stein oder gar frischen Kuhmist – das „Q“im Fahrwerk garantiert auch bei rasanter Serpentinenfahrt eine wohlige Sicherheit. Bis zu Audis kleinem SUV obere Kompaktklasse war es ein weiter Weg. Doch sein smartes Design und die überragende Technologie werden dem Q3 einen bleibenden Premium-Eindruck zwischen VW Tiguan, BMW X1 und Toyota RAV4 sichern. Zum Modellstart setzt Audi auf sparsame 2.0-Liter-Motoren. Zwei Turbodiesel (140 und 177 PS) und zwei Benziner (170 und 211 PS) sorgen für Vortrieb, später soll als Krönung noch eine Fünfzylinder-Rakete mit 300 PS folgen. Die Antriebssteuerung „drive select“ bietet von „Efficiency“ bis „Dynamic“ vier Abstimmungsvarianten, die Gasannahme und Schaltpunkte steuern. Und an der Ampel spart die Start-Stopp-Technologie noch ein paar Tropfen Benzin.

Audi positioniert sein kleines SUV „urban und stylig“. Doch eine Generation Praktikum wird sich teure Autos wie dieses kaum vor den ersten grauen Haaren leisten können. Wahrscheinlich fährt der Q3 in der Praxis eher Middle Ager nach Suburbia. Da passt die Audi-typische Perfektion in Verarbeitung und Materialwahl, die an Designer-Reihenhäuser statt an chaotische Altbauwohnungen erinnert: Dekore gibt´s aus gebürstetem Alu und aus naturbelassenem Lärchenholz. Ab 2012 wird der Q3 mit WLAN-Hotspot auch internetfähig. Weitere schöne Extras: Spurwechsel- und Parkassistent, der die Steuerung in die Parklücken hinein übernimmt. Zum Schmuckstück macht den Q3 aber das wohlgeformte Blech: Audis berühmte „Tornadolinie“ zeichnet die Flanke bis zum fast coupéhaft flach gezogenen Heck. Der sportliche Look lässt auch noch ausreichend Raum für Koffer (460 Liter).

Auch im später einsetzenden Schweizer Bergregen klebt das Auto noch auf dem Asfalt. Denn Audis permanente Allradtechnologie (später gibt es den Q3 auch mit Frontantrieb) gehört – genau wie der ultraleichte Karosseriestahl – zu den großen technologischen Leistungen des Autobaus der vergangenen 30 Jahre. Ich erinnere mich, dass in den Neunzigern sogar Blur und U2 den Werbeslogan „Vorsprung durch Technik“ zitierten. Ein von einer grandiosen Coolness geprägtes Image, die die Marke später als Erfinder des Q7, des maßlosesten SUV diesseits von Detroit, fast ruinierte. Zur Kurskorrektur taugt der Q3 als dritter, kleinster und beinahe vernünftiger SUV nun perfekt. Nur von vorne, mit dem überdimensionierten Kühlergrill, erscheint er noch wie ein Großmaul. Ein ziemlich cooles allerdings.

Fotos: Hersteller, Jan Wilms

Technische Daten:

Audi Q3 2.0-l-TDI quattro

Leistung: 130 kW (177 PS)

Max. Drehmoment 380 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 212 km/h

Verbrauch 5,9 l/100 km (EU), CO2: 156 g/km

Preis Audi Q3 2.0-l-TDI quattro: 36.800 Euro (Baureihe startet bei 29.900 Euro)