The Motorist`s Instagram Diaries …

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Testfahrt: Protoscar Lampo3

Drei Motoren. 550 PS. 900 Newtonmeter Drehmoment: Der Protoscar Lampo3 ist das stärkte Elektroauto der Welt. In der vergangenen Woche deuteten die Kollegen von Techvehi an, dass der elektrische Supersportwagen in einer Kleinserie kommen könnte. Sollte dem so sein, dann heißt es für Mercedes SLS E-Cell, Audi R8 e-tron und BMW i8: Bitte anschnallen. Woher wir das wissen? Wir sind den Prototyp schon gefahren.

Allerdings rollte unser Testmodell im kargen Renntrimm vor – was den Fahrspaß in keinster Weise trübte. Eine Serienversion wird sicherlich komfortabler sein, doch das Auto verfügt über so viel Leistung, dass ein paar Kilo mehr nicht wehtun. Der Protoscar Lampo3 (italienisch für „Blitz“) stellt den Endpunkt einer 2007 begonnenen E-Supersportwagen-Trilogie dar. Das gestreckte 2+2-Coupé mit 32 kWh-Lithium-Ionen-Batterie besitzt stärkere Leistungswerte als Mercedes SLS E-Cell, Audi R8 e-Tron, BMW i8 und Citroën Survolt. Allein der Tesla Roadster fährt dynamischer, aber als Leichtgewicht in einer anderen Klasse.

Rauschhafte Beschleunigung

Wir manövrieren den Lampo3 auf die Autostrada Richtung Süden. Ein erster, vorsichtiger Stupser auf das Strompedal zeigt das Potenzial der E-Motoren in ganzer Pracht: die 420 kW/550 PS sind sofort da. Sie schießen die 1,7 Tonnen ansatzlos nach vorne. Wenn ein Drehmoment von 900 Newtonmetern über den gesamten Drehzahlbereich anliegt, dringt die Kraftentfaltung in ein neues Universum vor. Der zweite Versuch mit entschlossenerem Tritt. Es macht Zooom! Wo ein Verbrennungsmotor eine Kurve zeichnet, jagen die E-Motoren des Lampo eine Gerade durchs Leistungsdiagramm. Linear. Bis zur abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 210 Sachen. Klar, manche Supersportwagen spurten schneller und alle länger. Doch die nahtlose Übersetzung des Ein-Gang-Getriebes narrt die Sinne. Die 4,5 Sekunden von null auf Hundert ohne Lastunterbrechung sind nicht mehr die Zahl auf dem Papier, sondern ein Rausch aus Druck und Atemlosigkeit und Magendrehen.

Sportliches Interieur und Torque Vectoring

Im Cockpit regeln glänzende Kippschalter und Potenziometer die Fahreinstellungen: Stufenlos justiert man Rekuperationsgrad (Energierückgewinnung beim Bremsen und Rollen) und die Verteilung des Antriebs zwischen Vorderachse und Hinterrädern. Das ist archaisch und intuitiv. Innovativ ist das Torque Vectoring: Da an jedem Hinterrad ein E-Motor sitzt, können die Radgeschwindigkeiten exakt eingestellt werden. Das hilft in schnell gefahrenen Kurven. Den einzigen Luxus bietet das Alcantara auf dem schwergängigen Sportlenkrad. Der Lampo ist kein Auto für jeden Tag. Andererseits: Hat das Suchtpotenzial der mühelosen Beschleunigungs-Kicks gegriffen, möchte man nicht mehr ohne. Und jedes Mittelmotor-Röhren wirkt dann wie die Stones gegenüber Daft Punk. Immer noch geil, aber von gestern.

Protoscar-Chef Piffaretti: Elektromotoren bieten die aufregendste Fahrdynamik

Lampo-Erfinder Marco Piffaretti ist so etwas wie ein automobiler Daniel Düsentrieb. Schon vor 24 Jahren schraubte der Tessiner solarbetriebene Seifenkisten zusammen. 2011 wurde der 45-Jährige zum „Schweizer Automann des Jahres“ gewählt. Mit Protoscar arbeitet Piffaretti für Daimler und GM, sein Know-how steckt auch in der Reichweitenanzeige des Nissan Leaf.

Piffaretti geht es um maximale Leistung. Ohne Kompromisse, dafür mit Rekordwerten. Ihn treibt weniger ein grünes Weltbild an, als eine Faszination für die effizienten Elektromotoren: „Sie stellen einfach die aufregendste Fahrdynamik bereit“, sagt er und blinzelt in die Sonne über Lugano. Dass noch kein Autobauer zuvor mit einem straßenzugelassenen E-Modell in diese Leistungsdimensionen vorgestoßen ist, macht ihn ein bisschen stolz. Der Lampo3-Speed drängt die Frage nach der Reichweite fast beiseite. Sie liegt bei 200 Kilometern. Im Kleinserienmodell soll allerdings eine größere Batterie diesen Wert vergrößern.

Text: Jan Wilms

Fotos: Jack Kulcke

 

Protoscar Lampo3

 

Drei Elektromotoren (1 vorne, 2 hinten)

Allradantrieb mit Active Torque Vectoring

Ein-Gang-Getriebe

Aktiv wassergekühlte Lithium-Ionen-Batterien, 32 kWh

CHAdeMO Schnellladestandard

Leistung 420 kW/550 PS

Höchstgeschwindigkeit: ca. 220 km/h

Beschleunigung: ca 4,5 Sek. von 0-100 km/h

Emissionen (g CO2): 0

Max. Drehmoment (Motor): 900 Nm (von 0-4500 U/min)

Max. Drehmoment (Rad): 5760 Nm

Reichweite: 180-200 Km

Energiekosten ca 2,05 Euro/100 km

Gewicht: 1700 kg

Länge; 4687 mm

Breite: 1998 mm

Höhe: 1307 mm

Preis: derzeit nicht käuflicher Prototyp


Testfahrt: Jaguar XKR-S


Weil bald der Sommer kommen soll, gibt es den stärksten Jaguar aller Zeiten nun als Cabrio. Wir fuhren ihn offen und als Coupé. Was für ein Auto!

Zwar steuert Ihre Majestät die Land Rover-Flotte auf Sandringham House noch selbst durch Norfolk – als Geschenk zum 60. Thronjubiläum der Queen kommt dieses Auto aus dem Hause Jaguar/Land-Rover aber zwei Jahrzehnte zu spät. Dabei würde sich der XKR-S trefflich eignen – immerhin ist er der schnellste und stärkste Jaguar aller Zeiten. Nochmal zum Mitschreiben: der stärkste Jag. Aller Zeiten. Ausfahren würde Lizzy ihn wohl nicht mehr, dabei ist Ausfahren genau das, was man mit diesem Edelboliden machen soll, will, muss. Wobei: Bevor man das Limit erreicht, ist man schon 299 km/h schnell.

Wir belassen es bei 200 Sachen und konzentrieren uns auf hohe Kurvengeschwindigkeiten. Je mehr g desto besser – denn trotz 1,7 Tonnen Gewicht rennt der Supersportler verdammt flink um die Curbs. Was sich hier und vor allem für einen Jaguar ziemlich straff anfühlt, ist ein exquisites Fahrwerk mit optimierter Aufhängung. Das DSC wurde für maximalen Fahrspaß mit einer TracDSC-Software liberalisiert: Sie regelt später und nur mit verringertem Bremseingriff – was Drifts zulässt. Danke.

Je höher das Kurventempo, desto stärker kommt die ausgefeilte Aerodynamik der Katze zum Zuge: Ein Carbondiffusor als Splitter saugt die Luft unter dem Auto durch und leitet sie unter den Heckflügel – der Unterdruck dort verstärkt den Abtrieb. Die daraus resultierende Straßenlage bezeichnet man gemeinhin als Satt. Mit großem S, in diesem Fall.

Seit März verkauft Jaguar die offene Version seines Supersportwagens. Auf dem Gelände des Driving Centers in Groß Dölln bei Berlin gibt es eine kleine aber feine Rennstrecke – genau das Terrain, um Motor und Fahrwerk in die Mangel zu nehmen. Zunächst die wichtigsten Zahlen: 5.0-Liter-V8-Kompressormotor mit 550 PS (405 kW), Höchstgeschwindigkeit 300 km/h, von null auf hundert in 4,4 Sekunden, das Verdeck ist in 18 Sekunden oben.

Und nun zu den Fahreigenschaften: Der Antrieb der Raubkatze beißt sofort. Schon beim Beschleunigen vom Parkplatz tänzelt das Heck und sucht nach Grip. Drehfreudig geht es weiter in Richtung Landstraßentempo, dabei durchspielen Maschine und Sechs-Gang-Automatik jeden Drehzahlbereich äußerst geschmeidig. Drückt man den Knopf mit der stilisierten Zielflagge im Mitteltunnel, wechselt die Motorsteuerung vom Normal- in den Sportmodus. Wo noch mehr geht: sensibleres Gaspedal, höher drehende Gänge, offenere Klappen in den vier Endrohren.

Wir müssen über den Sound reden. Vom sonoren Blubbern im unteren Drehzahlbereich bis zum explosiven Fauchen bei der Gasannahme. Können ja kurz mal in ein kleines Video reinhören:

Jaguar XKR-S accelerating from 0 to 200 km/h

Warum das Bild wackelt, dürfte klar sein: weil die Knie ob dieser Symphonie aus tiefen Bässen und einem stolzen Crescendo aus heiseren Höhen so gezittert haben. Der Motor ist vor allem im Cabrio akustisch immer präsent, doch im Cruising nie störend. Für eine Marke, deren Ingenieure früher nichts als das Ticken der Uhr im Innenraum hören wollten, ist dies ziemlich viel Rocknroll.

Innen zeigt sich Catwoman chic, natürlich. Die Oberflächen sind durchgehend hochwertig, die filigranen Analoguhren sind ein schönes Understatement und die Sportsitze geben mit ihrer 16-Wege-Einstellung ultimativen Seitenhalt. Nur die Lederapplikationen in Carbon-Optik (sprich: teures Leder das auf Kunststoff getrimmt ist) werfen die Frage nach dem Warum auf. Als Entschuldigung wird nur die britische Exzentrik akzeptiert. Ohne die ein Jag andererseits kein Jag wäre.

Währen Jaguar für sein Limousinen-Logo das elegante Tier im Profil zeigt, fletscht die Raubkatze in der Lenkkradkrone des XKR-S die Zähne. Das passt. Denn die Marke kann sich mit Autos wie dem XKR-S neu erfinden, ohne ihren Nimbus zu gefährden.

Fotos: Jaguar, The Motorist Blog

Jaguar XKR-S

Leistung: 550 PS (405 kW)

Hubraum: 5.000 ccm

Zylinder: V8

Max. Drehmoment: 680 Nm zwischen 25005500 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h

Von null auf hundert: 4,4 Sekunden

Verbrauch: 12,3 l/100 km (EU) CO2: 292 g/km

Preis: 129.900 Euro

Jaguar XKR-S Cabrio

Preis138.100 Euro